Theresa von www.thewaytocoffee.com hat im Juni 2017 unsere Chefrösterin Bára Ernygrova interviewt. Weil wir das Interview so schön fanden, haben wir es noch einmal für euch auf Deutsch übersetzt:

 

Bara kommt aus der Tschechischen Republik und hat in der Kaffeeindustrie auf der ganzen Welt gearbeitet, wie beispielsweise in Dublin, Paris, Berlin, São Paulo und Wellington. Derzeit ist sie Chefrösterin bei Tres Cabezas Berlin. Ihre Leidenschaft für Kaffee ist ansteckend.


„Auf den Geruch von frisch gemahlenem Kaffee am Morgen würde ich für nichts in der Welt verzichten!“ – Bara

 

The Way to Coffee
Bara, was war der Auslöser für Deine Karriere in der Spezialitätenkaffeeindustrie?

 


Bára
Es ist eigentlich sehr lustig und extrem langweilig zu gleich. Ich arbeite bereits seit 10 Jahren im Kaffeebereich, habe also schon als Teenager damit begonnen. Ich liebte die Atmosphäre in Cafés und ich liebte es, den Leuten bei ihren morgendlichen Ritualen zuzusehen, wie diese beim Lesen der Zeitung ihren Kaffee tranken. Das war etwas, das mich faszinierte, als ich ein Kind war. Aber als ich selbst meinen ersten Schluck Kaffee trank, konnte ich nicht verstehen, warum Kaffee ein so wichtiger Teil des Lebens dieser Leute war – für mich schmeckte er einfach nur abscheulich.

Meine erste Berufserfahrung hatte ich dann in Prag in einem wunderschönen Café. Die köstlichen Speisen, die schönen Kaffeegetränke und die Einrichtung faszinierten mich. Der Stil war italienischen Cafés nachgeahmt und bot frisch gepressten Orangensaft und starken Espresso. Ich dachte, alle Leute, die dort arbeiteten, wären einfach die coolsten Menschen auf Erden! Es gab damals noch keinen Spezialitätenkaffee, aber das Café war extrem modern, da es zwei verschiedene Mühlen hatte, welche die Kaffeebohnen unterschiedlich für Espresso und für auf Milch basierende Kaffeegetränke mahlten. Ich begann zunächst als Kellnerin zu arbeiten, aber war sehr an der Kaffeebar interessiert – so entschied sich der Besitzer, mir dort eine Chance zu geben. Eine der Geschäftsführerinnen wurde meine Trainerin, sie war zu Beginn sehr streng und heimlich hatte ich Angst vor ihr. Doch wir freundeten uns an und sind bis heute Freunde geblieben.

 

The Way to Coffee
Was ist Deine Aufgabe an Deinem jetzigen Arbeitsplatz?

 

Bára
Hauptsächlich röste ich und mache die Qualitätskontrolle, bin aber sehr offen, um auch in weitere Aufgaben involviert zu werden. Ich bin immer noch dabei meine Kollegen besser kennen zu lernen und sie zu ermutigen mir ihr persönliches Feedback zu meinen Röstungen zu geben.

 

The Way to Coffee
Wie bist Du zum Job der Rösterin gekommen?

 

Bára
Es ist nicht gerade leicht einen Job als Rösterin zu bekommen, da es natürlich nicht so viele freie Stellen wie im Service gibt. Gerade als Frau ist es schwierig, da ich die Erfahrung machen musste, dass einige Leute glauben, dass Männer als Röster besser geeignet sind, weil Rösten schwere Handarbeit ist, die zudem technische Fähigkeiten erfordern. Wenn man jedoch liebt, was man tut, gibt es immer einen Weg, seinen Traum wahrwerden zu lassen! Ich habe versucht immer tiefer in die Materie einzutauchen, ich startete mit der Zubereitung von Getränken, habe dann – Espressomaschinen kalibriert und bin schließlich zum Ursprung auf die Kaffeeplantagen gefahren, um dort beim Kaffeeanbau zu helfen und das Rösten zu vertiefen. Es war für mich eine Herausforderung. Ich hatte dann von einer freien Stelle bei Tim Wendelboe gehört und mich beworben. Ich wurde zum Skype-Interview eingeladen. Obwohl ich den Job damals nicht bekommen habe, half mir das, auf mich und meine Fähigkeiten zu vertrauen. Ich war jetzt bereit zu tun, was getan werden musste, um eine Stelle als Rösterin zu bekommen! Es waren Geduld, Beharrlichkeit und harte Arbeit, welche mich dort hingebracht haben. Nach einiger Zeit schrieb Five Elephant eine freie Stelle als Röster aus und ich nahm sofort die Gelegenheit war. Nach einer einwöchigen Einlernzeit stand ich endlich neben einem 25kg Diedrich.

 

The Way to Coffee
Was macht die Kaffeerösterei, in der Du jetzt arbeitest, einzigartig? Was ist ihre Philosophie?

 

Bára
Die Tres Cabezas Kaffeeleute habe eine sehr angenehme, menschliche Art, wie sie sich stets um ihre Mitarbeiter und Gäste kümmern. Es ist ein Arbeitsplatz, an dem es in Ordnung ist, zu sagen, “ich weiß es nicht”. Die Kollegen hören zu, sie haben keine Angst, um Hilfe zu bitten und zu erkennen, dass es Dinge gibt, die verbessert werden können. Es ist eine sehr schöne und erfrischende Beziehung, wo alle Parteien dran wachsen können. Die Anerkennung der eigenen Arbeit ist wichtig und das Engagement des Einzelnen wird hier anerkannt!

 

The Way to Coffee
Gibt es jemanden in der Kaffeebranche zu dem Du aufschaust? Wenn ja, warum?

 

Bára
Ich kann mich von jedermann inspirieren lassen, es muss nicht unbedingt eine Person sein, die im Kaffeebereich arbeitet. Ich bewundere Menschen, die für sich selbst einstehen und Menschen, die etwas mit ihren Händen erschaffen.

 

The Way to Coffee
Was ist mit Kaffeewettbewerben? Hast Du schon an welchen teilgenommen oder planst dies für die Zukunft?

 

Bára
Noch nicht, seit zwei Jahren spiele schon ich mit dem Gedanken, ich hoffe nächstes Jahr setze ich es in die Tat um.

 

The Way to Coffee
Ein Thema, das oft in der Spezialitäten-Kaffee-Industrie diskutiert wird, ist die ungleiche Vertretung der Geschlechter bei Wettbewerben. Hast Du Dir schon einmal dazu Gedanken gemacht, warum man immer mehr Männer, als Frauen bei diesen Wettbewerben sieht?

 

Bára
Ich denke, Frauen sind insgesamt eher schüchterner, wenn es darum geht sich auf der Bühne vor einem Publikum zu präsentieren. Ich werde es hier bei diesem Gedanken belassen 🙂

 

The Way to Coffee
Wie könnte man die Schaffung eines gleichberechtigten Arbeitsumfeldes in der Spezialitätenkaffeeindustrie erreichen?

 

Bára
Meiner Meinung nach werden Männer in der Kaffeeindustrie mehr wahrgenommen als Frauen, weil sie mehr auf sich aufmerksam machen. Es sollten jedoch alle Mitarbeiter der Branche gehört werden, um Bedenken zu äußern, Diskussionen zu führen und Wissen auszutauschen. Mir fehlt es manchmal an konstruktiver Kritik. Jede Meinung sollte gehört werden. Einen Menschen fühlen zu lassen, dass er inkompetent sei, hilft der Industrie nicht, weiter voranzukommen und es spornt die Menschen auch nicht an, ihr Bestes zu geben. Es sollte für alle gleichermaßen okay sein, zu sagen: Ich weiß es nicht. Wenn Menschen dich ständig bei deiner täglichen Arbeit übergehen, wird es sie auch davon abhalten, in der Zukunft etwas zu sagen.

 

The Way to Coffee
Was sind Deine Pläne für die Zukunft?

 

Bára
Die Spezialitätenkaffeeindustrie ist jung, aber auch sehr konkurrenzfähig. Ich glaube, Wissensaustausch ist wichtig, um die Industrie voranzutreiben und zum Blühen zu bringen. Für mich selbst sehe ich meine Zukunft in der Kaffee-Landwirtschaft, denn dort beginnt schließlich alles. Ich habe bereits während der Erntezeit ein halbes Jahr in Brasilien verbracht und habe gelernt, wie komplex Kaffeeanbau wirklich ist. In Zukunft würde ich gern mehr an nachhaltigen Kaffeeanbauprojekten an verschiedenen Orten teilnehmen. Während ich in der Hitze, von Moskitos umringt, auf den Kaffeefeldern stand, wurde mir klar, ich liebe das! Ich will genau das!

 

The Way to Coffee
Was ist Dein Lieblings-Kaffeegetränk und welche Zubereitungsmethode magst Du am liebsten?

 

Bára
Ich liebe Espresso und das assoziiere ich stets mit meinen frühen Anfängen, als Barista. Ich würde fast so weit gehen, dass ich süchtig bin (mein Freund würde das bestätigen!). Während der Arbeit auf der Kaffeefarm in Brasilien war ich natürlich direkt an der Quelle aber ohne Espressomaschine weit und breit. Das war absolute Folter, wenn du mich fragst! In meiner Verzweiflung versuchte ich mich an der Aeropress, in der Hoffnung, damit meine Begierde zu stillen, aber für mich reichte es nicht 100 prozentig an eine Siebträgermaschine heran.

 

The Way to Coffee
Dank’ Dir Bára!

Und hiermit endet das Interview und wir danken Theresa von www.thewaytocoffee.com nochmals, dass wir das Interview hier frei übersetzt mit ihren Fotos veröffentlichen durften.

Wir hatten natürlich noch die eine ergänzende Frage an Bára
Welcher Kaffee von Tres Cabezas ist momentan Dein persönlicher Favorit?

Bára
Momentan ist es der Perla Negra aus Costa Rica. Obwohl ich süchtig nach Espresso bin, liebe ich diesen Filterkaffee.  Er schmeckt nach tropischen Früchten und durch die SL28 Varietät, die eher typisch für den kenianischen Kaffeeanbau ist, überraschend süß und komplex.